park Vercors in Frankreich
Eigentlich war an Ostern Italien geplant.
... Eigentlich!
Doch während sich am Gotthard-Tunnel die Blechlawinen vermutlich schon im Stau gegenseitig kennenlernen konnten, wurde uns langsam klar: Das wird kein Urlaub, das wird ein Geduldsspiel mit Aussicht auf Kupplungsschaden. Also Plan B, oder besser gesagt Plan Anti Stau.
Ein kurzer Blick auf die Wetterkarte, ein bisschen Mut zur Spontanität und zack: Unterhalb von Lyon leuchtete uns ein kleines sonniges Versprechen entgegen. 22 Grad an Ostern? Klingt eher nach frühem Sommer als nach Schokohasen Wetter.
Gesagt, getan: Einen Tag vor Abfahrt wurde das Navi kurzerhand umprogrammiert. Italien musste sich gedulden, wir bogen gedanklich links ab und landeten stattdessen in Frankreich. Genauer gesagt in der Gegend der Drôme.
Und ganz ehrlich: Selten hat sich ein Eigentlich so gelohnt.
Jura
Schon auf der Anfahrt durch das Jura, dass übrigens selbst schon ein einziges Highlight ist, stolpern wir quasi direkt über das nächste Naturwunder: den Wasserfall bei Baume les Messieurs. Wirklich beeindruckend. Fast noch beeindruckender ist allerdings der Parkplatz davor, der in manchen Stellplatzführern ganz frech als „Übernachtungsplatz“ angepriesen wird.
Vor Ort sucht man entsprechende Schilder jedoch vergeblich.
Da wir weder große Lust hatten, nachts von der Polizei geweckt zu werden, noch am nächsten Morgen an einer Horde heranströmender Touristen aufzuwachen, fiel die Entscheidung recht schnell: Wasserfall anschauen, ja. Dort übernachten, eher nein.


Also ging es nach dem Besuch ganz entspannt noch ein paar Ortschaften weiter, immer auf der Suche nach etwas mit offizieller Erlaubnis und ohne Überraschungsbesuch. Und siehe da: Ein ausgeschriebener Wohnmobilstellplatz ließ nicht lange auf sich warten, ganz legal, ganz ruhig und ganz ohne Adrenalinkick. Genau unser Ding.

Château d'Arlay

Schon von weitem sehen wir das Château d'Arlay auf seinem Hügel über dem Tal liegen. Durch seine erhöhte Lage ist es ein markanter Punkt in der Landschaft und zieht den Blick fast automatisch auf sich.
Da wir ohne festen Zeitplan unterwegs sind, entscheiden wir uns spontan für einen Abstecher und verbinden den Besuch mit einer kleinen Wanderung. Der Weg führt durch die umliegenden Weinberge hinauf zum Schloss und bietet unterwegs immer wieder schöne Ausblicke auf die Region.


Oben angekommen zeigt sich, dass das Château d'Arlay nicht nur optisch beeindruckt, sondern auch geschichtlich interessant ist. Es zählt zu den ältesten Weingütern Frankreichs und war früher Sitz einer Adelsfamilie.

Die Anlage umfasst neben dem Schloss auch weitläufige Parkflächen, die im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt sind, sowie Wirtschaftsgebäude, die auf die lange Weinbautradition hinweisen.
Aufgrund der Osterzeit finden leider noch keine Innenbesichtigungen statt, sodass wir uns auf einen Rundgang um das Anwesen beschränken. Dennoch vermittelt bereits der äußere Eindruck ein gutes Bild von der Größe und Bedeutung der Anlage. Besonders die weitläufigen Mauern und der gepflegte Parkbereich hinterlassen einen bleibenden Eindruck.
Auch ohne Innenbesichtigung hat sich der kurze Abstecher gelohnt, nicht zuletzt wegen der Kombination aus Landschaft, Geschichte und der ruhigen Lage oberhalb des Tals.

Palais Idéal
Der Palais Idéal ist für mich ganz klar eines der Highlights unserer Reise.
Wer in Richtung Drôme unterwegs ist, kommt an den unzähligen Bilder und Berichten im Netz kaum am Palais Idéal vorbei.
So beschlossen auch wir dem skurrilen Bauwerk einen Besuch abzustatten.
Schon von außen wirkt das Bauwerk gleichzeitig edel und völlig außergewöhnlich, fast ein bisschen wie aus einem Traum. Überall entdeckt man Türmchen, Figuren, Ornamente und kleine Details, die man gar nicht alle auf einmal erfassen kann. Man weiß gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen soll.








Richtig beeindruckend wird es aber, wenn man die Geschichte dahinter erfährt.
Erbauer des Ganzen ist nämlich kein berühmter Architekt, sondern der einfacher Postbote, Ferdinand Cheval. Der Mann stolperte im Jahr 1879 auf seiner täglichen Postrunde über einen ungewöhnlichen Stein.
Er hob ihn auf und beschloss, daraus etwas zu bauen.
Was als spontane Idee begann, wurde schließlich zu seinem Lebensprojekt.
Über mehr als 30 Jahre hinweg sammelte Cheval auf seinen Touren Steine, transportierte sie teils in seinen Taschen, später sogar mit einer Schubkarre, und baute in seiner Freizeit Schritt für Schritt dieses beeindruckende Werk. Ganz ohne Bauplan, dafür mit einer gehörigen Portion Ausdauer und Fantasie entstand so ein Bauwerk, das heute als Meisterwerk der sogenannten naiven Architektur gilt.

Vor Ort wirkt das Ganze noch einmal deutlich intensiver als auf Bildern. Man spürt förmlich, wie viel Zeit, Arbeit und Leidenschaft in jedem einzelnen Stein steckt. Und ganz ehrlich: Spätestens da relativiert sich jede eigene Ausrede, warum man Dinge nicht umsetzen kann.
Für uns war der Besuch nicht nur sehenswert, sondern auch sehr inspirierend.
Ein Ort, der zeigt, was entstehen kann, wenn jemand einfach anfängt und konsequent dranbleibt.


Wohnmobilstellplatz Palais Idéal
In unmittelbarer Nähe zum Palais Idéal befindet sich ein großzügig angelegter Wohnmobilstellplatz.
Die Nutzungsgebühr beträgt 10 € pro 24 Stunden, wobei ein Aufenthalt von bis zu drei Stunden kostenfrei ist.
Der Stellplatz verfügt über eine Entsorgungsstation sowie die Möglichkeit zur Frischwasserversorgung. Zudem steht den Besuchern eine öffentliche Toilette direkt am Platz zur Verfügung.
